Bislang galt die eherne Standardauffassung bei Finanzverwaltungen, dass Gewinne besteuert werden, die Verrechnung von Verlusten – zumindest Totalverluste – jedoch verweigert wird.

In einem Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) liegt nach Ansicht der Finanzverwaltung eine Veräußerung nicht vor „wenn der Veräußerungspreis die tatsächlichen Transaktionskosten nicht übersteigt. Wird die Höhe der in Rechnung gestellten Transaktionskosten nach Vereinbarung mit dem depotführenden Institut dergestalt begrenzt, dass sich die Transaktionskosten aus dem Veräußerungserlös unter Berücksichtigung eines Abzugsbetrages errechnen, wird zudem ein Veräußerungsverlust nicht berücksichtigt.“ (Rz. 59 BMF-Schreiben vom 18.01.2016, Abgeltungsteuer)

 

Urteil des Bundesfinazhofes

Der Auffassung der Finanzverwaltung wurde jedoch bei zahlreichen Entscheidungen verschiedener Finanzgerichte als auch auf höchster Instanz widersprochen. In seiner Entscheidung urteilte nämlich der Bundesfinanzhof (BFH), „eine Veräußerung“ im Sinne des Steuerrechts sei „weder von der Höhe der Gegenleistung noch von der Höhe der anfallenden Veräußerungskosten abhängig“. (BFH Entscheidung 12.6.2018 VII R 32/16)

Dieses Urteil musste von der Finanzverwaltung anerkannt werden. Mit Schreiben vom 10.5.2019 (Az. IV C 1-S 2251/08/10004:026) änderte die Finanzverwaltung das diesbezügliche Anwendungsschreiben zur Abgeltungssteuer.

Die Verlustrechnung darf von inländischen Depotbanken zeitnah umgesetzt werden.

Die Jahresbescheinigungen für 2019 sollten dennoch eingehend kontrolliert und etwaige Totalverluste im Veranlagungsverfahren geltend gemacht werden.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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