Sachzuwendungen an Mitarbeiter können auf unterschiedlichste Art und Weise gemacht werden. Neben den unterschiedlichen geldwerten Vorteilen, wie beispielsweise die Nutzung eines Firmenwagen, gelten zu Sachzuwendungen auch Geschenke oder Aufmerksamkeiten.

Aufmerksamkeiten sind Aufwendungen für z.B. Backwaren für Mitarbeiter bei einer betrieblichen Besprechung. Doch um die Kosten zu 100% als Aufwand geltend zu machen, muss eine klare Abgrenzung zur Bewirtung vorliegen.

 

Aufmerksamkeiten als Betriebsausgabe ansetzen – oder doch Bewirtung?

Grundlegend gilt: Von einem Unternehmen im kleinen Rahmen dargereichte Aufmerksamkeiten als Geste der Höflichkeit, sind keine Bewirtung (Einkommensteuer-Richtlinien R 4.10, Absatz 5, Nr. 1). In diesem Fall sind die Aufwendungen zu 100% als Aufmerksamkeiten als Betriebsausgabe ansetzbar. Ohne weitere Aufzeichnungspflichten.

Wo hier eine klare Linie zur Abgrenzung zwischen Bewirtung und Aufmerksamkeit zu ziehen ist, ist auf Anhieb nicht eindeutig sichtbar. Laut einer Verfügung der Oberfinanzdirektion Kiel von 1995 kommt es dabei nicht auf die Preise sondern auf den Umfang der angebotenen Speisen und Getränke an. Damit muss eine Beurteilung sich immer nach den besonderen Umständen des Einzelfalles richten.

 

Aufmerksamkeiten

Auf Basis bisheriger Urteile sowie der Einkommensteuer-Richtlinie dienen folgende Beispiele als Orientierung, ob sie als Aufmerksamkeit gewertet werden können:

  • Bei einer Besprechung dargereichte zwei halbe Brötchen je Person gelten als Aufmerksamkeit.
  • Kaffee, Wasser, Erfrischungsgetränke oder Tee und Gebäck sind ebenfalls Aufmerksamkeiten.
  • Ob eine Besprechung mit den genannten Speisen oder Getränken für die Mitarbeiter am Betriebssitz oder an einem anderen Ort stattfindet, spielt keine Rolle.
  • Wie erwähnt, kommt es auf den Umfang der Darreichung an: Bei kleinen Mengen wird von einer Aufmerksamkeit ausgegangen, bei größeren Mengen von einer Bewirtung; das Verhältnis von teilnehmenden Personen und Umfang der gelieferten Menge ist zu beachten.
  • Laut OFD Düsseldorf (Verfügung vom 4.5.1995) gibt es keine preisliche Grenze für Aufmerksamkeiten: Eine Bratwurst mit Kartoffelsalat gilt als Bewirtung, ein Glas Champagner hingegen, dass beispielsweise zur Feier eines geschäftlichen Erfolges ausgeschenkt wird, als Aufmerksamkeit.

 

Wein als Aufmerksamkeiten ansetzen?

Das Finanzgericht Münster hat in einem Urteil 2014 (14 K 2477/12 E, U) festgestellt: Das Ausschenken von Wein bei einer Besprechung im Büro ist eine Bewirtung im Sinne des EStG § 4, Absatz 5, Satz 1. Denn eine Bewirtung liegt laut des FG nicht nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen und Getränke oder anderen Genussmittel im Mittelpunkt steht. Nein, jede unentgeltliche Überlassung oder Verschaffung derselben zum sofortigen Verzehr ist laut dem FG Münster eine Bewirtung.

Doch, so das FG weiter, schließt dieses Urteil nicht prinzipiell die Anwendung einer Aufmerksamkeit aus, wenn die Darreichung in einem übergeordneten betrieblichen Vorgang eingebunden ist.

Daraus hat sich ergeben: Nur Aufwendungen wie Kaffee, Tee, Wasser und Gebäck (wie oben erwähnt) als Gesten der Höflichkeit sind Aufmerksamkeiten. Wein oder alkoholische Getränke hingegen gehören nicht zu den Aufmerksamkeiten sondern zu Bewirtungen.

 

Aufmerksamkeiten vs. Bewirtungen

Bei Bewirtungen gelten im Gegensatz zu Aufmerksamkeiten Aufzeichnungspflichten. Außerdem sind aktuell bei Aufwendungen für Bewirtungen nur 70% der Kosten als Betriebsausgaben geltend zu machen.

Die Aufzeichnungen müssen Datum, Anlass, Ort und Daten zu den Teilnehmern der Bewirtung enthalten.

Das Urteil des Finanzgerichts Münster wirft weiterhin Fragen auf, die noch nicht abschließend geklärt sind. Da, wie oben erwähnt, ein Glas Champagner zum Abschluss eines erfolgreichen Geschäftes sicherlich bei einem noch kommenden Urteil nicht als Bewirtung eingestuft werden wird. Da es alle Bedingungen einer Aufmerksamkeit erfüllt.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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