Die sogenannte Spekulationssteuer wird in der Einkommensteuer dann fällig, wenn man einen Veräußerungsgewinn mit einem erworbenen Wirtschaftsgut bei Verkauf desselben macht. Es handelt sich dabei um außerordentliche Einkünfte.

Veräußerungsgewinne können den unterschiedlichsten Einkunftsarten zugeordnet werden. Veräußerungsgewinne können entstehen bei:

  • Veräußerung von Wirtschaftsgütern aus einem Gewerbebetrieb, aus Land- und Forstwirtschaft oder freiberuflicher Tätigkeit
  • Veräußerung eines Betriebes oder Betriebsanteils
  • Veräußerung von einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft
  • Veräußerung von einer Kapitalanlage
  • Private Veräußerungen

 

Private Veräußerung und Spekulationssteuer

Unter private Veräußerungsgeschäfte fallen beispielsweise der Verkauf von Gegenständen wir Gold, Oldtimer, Schmuck oder auch Kryptowährungen wie Bitcoins, wenn sie innerhalb der Spekulationsfrist von 1 Jahr verkauft werden.

Außerdem Immobilien, sofern diese nicht selbst genutzt werden. Hier gilt eine Haltefrist, bzw. Spekulationsfrist von 10 Jahren. Das heißt: Wenn privat eine Immobilie gekauft wird, bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung versteuert wird und dann vor dem Ablauf der 10 Jahre verkauft wird, muss der Gewinn als sogenannte Sepkulationssteuer versteuert werden.

 

Ausnahmen bei der Spekulationssteuer

Das Bundesfinanzministerium hat nun zur Anwendung einer Ausnahmevorschrift im Einkommensteuergesetz §23 Stellung genommen (17.60.20, IV C 1-S 2256/08/10006:006). Es bezieht sich dabei auf ein Urteil des Bundesfinanzhofes BFH vom 03.09.2019 und konkretisiert die Anwendung.

Danach sind Wirtschaftsgüter von der Besteuerung ausgenommen, die im Jahr der Veräußerung und den beiden vorigen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden – also nicht vermietet waren. Es muss ein zusammenhängender Zeitraum über drei Kalenderjahre vorliegen, in dem der Wohnraum selbst genutzt wurde.

Damit würde beispielsweise eine Nutzung vom 31.12.2018 bis 01.01.2020 genügen, wenn die Immobilie 2020 veräußert wird. Es wäre eine zusammenhängende Dauer über die geforderten drei Kalenderjahre.

Damit spielt es keine Rolle, wenn der Wohnraum im Jahr 2020 vermietet wurde und nicht selbst genutzt. Sofern die Veräußerung in demselben Jahr stattfindet.

Ist allerdings im Zeitraum des Vorjahres der Veräußerung (hier im Beispiel das Jahr 2019) eine auch nur kurzfristige Unterbrechung der Eigennutzung vorhanden, egal ob durch Leerstand oder Vermietung, muss der Gewinn versteuert werden.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

 

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