Wer ein Arbeitszimmer in häuslicher Umgebung hat, kann nur unter ganz bestimmten Fällen die dafür anfallenden Aufwendungen bei der Einkommensteuer geltend machen. Arbeitnehmer können dies im Rahmen der Werbungskosten. Selbständige machen die Aufwendungen als Betriebsausgabe geltend.

Grundlegend hat der Gesetzgeber zwei Ausnahmen vorgesehen, die ein Abzug zulassen. Das Finanzgericht Hamburg hat nun ein Urteil gefällt (16.10.2017, 2 K 215/16), dass die Voraussetzungen und Bedingungen für einen Abzug als Betriebsausgabe im Detail konkretisiert.

 

Ausnahmen für einen Abzug

Komplett als Werbungskosten können die Aufwendungen für ein Arbeitszimmer dann geltend gemacht werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet. Das gilt sowohl für Angestellte als auch Selbständige. Bei Selbständigen handelt es sich dann um Betriebsausgaben.

Also können z.B. angestellte Mitarbeiter im Home-Office aber auch Selbständige wie Schriftsteller oder Gutachter davon betroffen sein. Grundsatz ist: Es muss sich um den Mittelpunkt – also den überwiegenden Teil sowohl in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht – ­handeln.

Als zweite Ausnahme gilt: Steht neben dem häuslichen Arbeitszimmer kein weiterer Raum zur Verfügung, in dem die berufliche oder betriebliche Tätigkeit ausgeführt werden kann, besteht die Möglichkeit das Arbeitszimmer steuermindernd geltend zu machen. Bis zur Höchstgrenze von 1.250.- EUR je Jahr. Hiervon sind z.B. Lehrer oder Außendienstmitarbeiter betroffen, denen kein weiterer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

 

Voraussetzungen

Als Voraussetzungen für die Geltendmachung gilt erstens: Der Raum muss zugehörig zur privaten Wohnung oder zum privaten Wohnhaus sein; es muss sich um einen abgeschlossenen Raum handeln.

Zweitens: Der Raum wird vorwiegend für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit benutzt; eine untergeordnete private Nutzung von höchstens 10% wird anerkannt – mehr nicht. Jede Mehrnutzung privater Natur führt zur Nichtanerkennung der Geltendmachung.

 

Entscheidung Finanzgericht Hamburg

Bezüglich dieser Grundvoraussetzungen hat das FG Hamburg im Anschluss an einen Beschluss des Bundesfinanzhofes (27.05.2015, GrS 1/14) und eines Urteils des BFH (22.03.2016, VII R 24/12) geurteilt: Auch dann, wenn es sich bei den Räumlichkeiten in häuslicher (privater) Umgebung und Nähe um eine Betriebsstätte handelt, kann bei einer nicht untergeordneten privaten Nutzung kein Abzug als Betriebsausgabe erfolgen.

Das heißt also, dass auch dann der Grundsatz der untergeordneten privaten Nutzung gilt, wenn der Raum nicht dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers entspricht. Also selbst dann, wenn der Raum entsprechend als Betriebsstätte eingerichtet ist.

Außerdem wurde im Zuge dessen entschieden: Wenn ein Steuerpflichtiger einen Raum in seiner häuslichen Umgebung beruflich oder betrieblich nutzt, ist das kein Argument dafür, anteilige Aufwendungen für beispielsweise Toilette oder Abstellraum als betriebliche Ausgabe geltend zu machen. Das Abzugsverbot gilt sowohl für ein Arbeitszimmer als auch eine Betriebsstätte in häuslicher und privater Umgebung. Auch hier wird keine Unterscheidung vorgenommen, welcher Art der Raum zuzuordnen ist.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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