Werbungskosten sind unter anderem Aufwendungen, die Angestellte bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend machen können. Hierbei gilt gemäß Einkommensteuergesetz § 9, (1) der Grundsatz, dass die Aufwendungen zur „Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“ gemacht wurden.

Ein Dienstjubiläum ist zweifelsfrei ein berufsbezogenes Ereignis. Doch unter welchen Bedingungen können Kosten dafür abgesetzt werden? Oder können sie womöglich gar nicht steuermindernd angesetzt werden?

 

Dienstjubiläum ist berufsbezogen

Der Bundesfinanzhof hat dazu eine Entscheidung gefällt (BFH vom 20.01.2016 VI R 24/15). Ein Angestellter hatte zu seinem 40-jährigen Dienstjubiläum eingeladen. Die Aufwendungen machte er als Werbungskosten geltend. Das zuständige Finanzamt und Finanzgericht hatten dies nicht anerkannt.

Nach Ansicht des BFH dagegen kommt es bei einer Feier aber in erster Linie darauf an, ob die Veranlassung zur Feier beruflich oder privat ist. Dass es sich bei einem Dienstjubiläum um einen beruflichen Anlass handelt, ist unstrittig.

Entscheidendes Argument ist, dass die Gäste nach „abstrakten berufsbezogenen Kriterien“ ausgewählt wurden: Der Arbeitnehmer hatte an einem Wochentag in den Räumen des Arbeitgebers geladen und hatte dafür alle Kollegen per E-Mail eingeladen.

 

Werbungskostenabzug möglich

Das BFH stellte also klar, dass Arbeitnehmer Aufwendungen für ihr Dienstjubiläum unter bestimmten Umständen gemäß des Grundsatzes der „Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“ auch als Werbungskosten ansetzten können. Zusätzlich zu den unstrittigen Werbungskosten.

Ein Arbeitnehmer sichert sich also seinen Werbungskostenabzug für seine beruflich veranlasste Feier, wenn er die drei oben genannten Punkte berücksichtigt. Wenn also 1. die Feier in den Räumen des Arbeitgeber stattfindet, 2. teilweise während der Arbeitszeit und 3. unterschiedslos alle Kollegen und Kolleginnen eingeladen werden.

Nicht absetzbar als Werbungskosten sind die Kosten für eine Feier, die aus privater Veranlassung stattfindet oder bei der aufgrund von persönlichen Sympathien Gäste eingeladen werden. Ebenfalls steuerschändlich sind Aufwendungen für Feiern, die nur aus der wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Stellung heraus veranlasst sind. Da sie wiederum nicht das Kriterium der beruflichen Veranlassung besitzen.

Autor: Stefanie Schilling, Steuerberaterin

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