Das Einkommensteuergesetz unterscheidet grundsätzlich sieben verschiedene Arten der Einkünfte. Jede Person kann Einkünfte aus allen sieben Einkunftsarten haben, wobei der jeweilige Überschuss oder Gewinn, bzw. der jeweilige Verlust oder die negativen Einkünfte zusammen genommen die Summe der Einkünfte ergeben.

Die jeweiligen Einkünfte werden mit unterschiedlichen Berechnungsmethoden ermittelt. Bei den ersten drei Einkunftsarten, den Gewinneinkunftsarten, werden aus Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben die Gewinneinkünfte bzw. Verluste.

In den folgenden vier Einkunftsarten ergeben sich die Überschusseinkünfte oder negativen Einkünfte aus Bruttoeinnahmen minus Werbungskosten.

 

Die sieben Einkunftsarten

1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft Betriebseinnahmen – Betriebsausgaben = Gewinneinkünfte/Verlust
2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb
3. Einkünfte aus selbstständiger Arbeit
4. Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit Bruttoeinnahmen – Werbungskosten = Überschusseinkünfte/Negative Einkünfte
5. Einkünfte aus Kapitalvermögen
6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
7. sonstige Einkünfte
= Summe der Einkünfte

 

Land- und Forstwirtschaft

Unter den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft werden alle Einnahmen und Aufwendungen berücksichtigt, die wegen planmäßiger Nutzung mit Gewinnerzielungsabsicht entstehen.

Oftmals handeln Landwirte neben der eigentlichen Bestellung ihres Landes auch noch mit Fremdprodukten. Hier gilt: Bei einem Fremdbezug von über 30% Einkaufswert vom Umsatz liegt eine Einkunft aus Gewerbebetrieb vor. Ebenso wenn weniger als 40% eigener Erzeugnisse in einem angeschlossenen Ladengeschäft verkauft werden.

 

Gewerbebetrieb

Steuerrechtlich liegt dann ein Gewerbebetrieb vor, wenn die Tätigkeit keiner der anderen beiden Gewinneinkunftsarten – Land- und Forstwirtschaft oder Einkünfte aus selbständiger Arbeit – zugeordnet werden kann.

Weitere wichtige Eckpunkte sind die Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr, die Gewinnerzielungsabsicht und die Nachhaltigkeit der Absicht. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Einzelunternehmen, um eine Mitunternehmerschaft bei einer KG oder OHG handelt, einen atypischen stillen Gesellschafter oder um die Veräußerung eines Gewerbebetriebs oder Anteilen daran.

 

Selbständige Arbeit

Die sogenannten freien Berufe oder Katalogberufe führen zu Einkünften aus selbständiger Arbeit. Denn es handelt sich um selbständige wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten.

Dazu gehören zum Beispiel Journalisten, Künstler und Designer, aber auch Ärzte, Rechtsanwälte oder Steuerberater. Als Sonderfälle werden unter anderem staatliche Lotterieeinnehmer oder die Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied benannt.

Für anerkannte Freiberufler fallen viele Pflichten wie die Gewerbeanmeldung oder Gewerbesteuer nicht an.

 

Nichtselbständige Arbeit

Einnahmen bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit können einerseits Lohn und Gehalt, Gratifikationen, vermögenswirksame Leistungen oder geldwerte Vorteile sein. Andererseits auch Einkünfte aus einem früheren Dienstverhältnis, also eine Beamtenpension oder, in der Privatwirtschaft, beispielsweise wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

Den Einnahmen können hier, wie auch in den folgenden Einkunftsarten, Werbungskosten entgegengestellt werden. Bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit sind Werbungskosten zu allererst die Aufwendungen zur Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sofern es sich um Einkünfte aus einem gegenwärtigen Dienstverhältnis handelt.

 

Kapitalvermögen

Ein Sonderfall in der Besteuerung stellen die Einkünfte aus Kapitalvermögen dar. Denn hier greift nicht der Einkommensteuersatz. Hier werden die Einkünfte mit der Abgeltungssteuer einheitlich besteuert. Und zwar mit 25%. Diese Schedulensteuer ist also nicht progressiv und nicht abhängig von der Höhe des Einkommens.

Unterteilt werden die Einkünfte in private laufende Kapitaleinkünfte, die Früchte, und in private Veräußerungsgeschäfte, die Stämme.

 

Vermietung und Verpachtung

Wer Miet- oder Pachteinnahmen aus Wohnungen, Garagen, Büroräumen oder auch Werbeflächen hat, wird steuerlich den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zugeordnet. Solange die Einnahmen nicht mit einem Gewerbe erzielt werden.

Zu den Einnahmen gehören ebenfalls die Umlage- oder Nebenkosteneinnahmen. Bei einer vereinnahmten Kaltmiete von weniger als 66% der ortsüblichen Miete spricht der Gesetzgeber von einer verbilligten Überlassung. Hier hat das Finanzamt das Recht, die ortsübliche Miete als Einnahme anzusetzen.

 

Sonstige Einkünfte

Unter sonstige Einkünfte fallen private Veräußerungsgeschäfte oder wiederkehrende Bezüge wie Renten aus vorherigen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen.

Ein privates Veräußerungsgeschäft kann bis zur Freigrenze von 599.- EUR steuerfrei erfolgen. Das bedeutet, dass der Veräußerungsgewinn des Geschäftes 599.- EUR nicht übersteigen darf. Der Gewinn ergibt sich grundlegend immer aus Einnahmen minus Kosten. Bei Gegenständen gilt eine Haltefrist von 1 Jahr, bei Gebäuden von 10 Jahren, innerhalb der das Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig wird.

 

Einkunftsarten: Die Summe der Einkünfte

Die Summe der Einkünfte ergibt sich aus den jeweiligen einzeln berechneten Einkünften je Einkunftsart. Aus der ermittelten Summe der sieben Einkunftsarten wird dann unter Berücksichtigung verschiedenster Punkte wie z.B. dem Freibetrag für Kinder das zu versteuernde Einkommen berechnet.

 

Autor: Stefanie Schilling, Steuerberaterin

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