Fahrtenbuch führen – das führt immer wieder zu verschiedensten Auseinandersetzungen zwischen der Finanzverwaltung und Steuerpflichtigen.

Grundlegend besteht bei der teilweise privaten Nutzung eines Firmenwagen die Wahl zwischen dem Führen eines Fahrtenbuches oder der pauschalen Besteuerung nach der 1%-Regel. In fast allen Fällen erweist sich das Fahrtenbuch dabei als steuerlich vorteilhafter für den Nutzer.

Allerdings gibt es einige Bedingungen zum ordnungsgemäßen Führen eines Fahrtenbuches – die jedoch gesetzlich nicht näher bestimmt sind.

 

Fahrtenbuch führen und Nachvollziehbarkeit

Die Finanzämter verfahren oftmals so, dass nur kleinere Mängel genügen würden, um das Fahrtenbuch nicht anzuerkennen. Dann wird seitens des Finanzamtes mit Hinweis auf die kleineren Mängel und eine Nichtnachvollziehbarkeit und Nichtnachprüfbarkeit die Anwendung der 1%-Regel  gerechtfertigt.

Das Finanzgericht Niedersachsen widersprach dem aber nun. Das FG wies darauf hin, dass in Einzelfällen fehlende Angaben im Fahrtenbuch auch aus anderen vorliegenden Unterlagen ermittelt werden können. Und dies für die Finanzämter zumutbar ist. Sofern es sich um einige wenige Vorgänge im Jahr handelt. Wie beispielsweise hier im verhandelten Fall die Adresse und der Name eines Hotels, das im Fahrtenbuch nur mit “Hotel” bezeichnet war, ohne Adressangabe. Diese Informationen zur Schlüssigkeit können einfach durch die Reisekostenbelege ermittelt werden. Damit sei die Nachvollziehbarkeit gewährleistet.

Einem zweiten, oft genannten Argument des zuständigen Finanzamtes wurde ebenfalls seitens des Finanzgerichtes widersprochen: Differenzen aus dem Vergleich von Kilometerangaben im Fahrtenbuch und einem Routenplaner sind unschädlich. Denn der Nutzer des KFZ ist nicht verpflichtet, die kürzeste Strecke zu wählen, wenn eine andere Strecke verkehrsgünstiger ist. Außerdem gibt es beim Vergleich verschiedener Anbieter von Routenplanern unterschiedliche Kilometerangaben bei gleichen Wegstrecken.

Anzumerken ist noch, dass im Übrigen dies schon vom FG Düsseldorf 2008 festgestellt wurde; hier bis zu einer Abweichung entsprechend einer Größenordnung von 1,5% der jährlichen Gesamtleistung.

 

Anforderungen dürfen nicht überspannt werden

Das Finanzgericht stellt prinzipiell ebenfalls klar: Ein Fahrtenbuch führen darf nicht durch Anforderungen überspannt werden. Sprich: Wenn bestimmte grundlegende Bedingungen eingehalten werden, erfüllt das Fahrtenbuch die gesetzlichen Anforderungen. Es kann nicht sein, dass die Anforderungen so hoch sind, dass damit aus der widerlegbaren Typisierung der 1%-Regel in der Praxis am Ende eine unwiderlegbare Typisierung wird (und damit das Führen eines Fahrtenbuches unmöglich würde).

Aus verfassungsrechtlichen Gründen ist dies laut FG nicht zu rechtfertigen. Denn es droht so eine Übermaßbesteuerung. Auch der BFH hat diesbezüglich schon von einem “groben Klotz” gesprochen.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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