Von einem „Fiktivlohn“ oder einem „Phantomlohn“ ist dann die Rede, wenn eine Differenz zwischen tatsächlich bezahltem Lohn und der rechtlich geschuldeten Vergütung des Arbeitnehmers vorhanden ist.

Anders als im Lohnsteuerrecht spricht man im Sozialversicherungsrecht vom sogenannten Entstehungsprinzip. Sozialversicherungsabgaben bemessen sich grundsätzlich nicht nach dem tatsächlich bezahlten, sondern auf Basis des geschuldeten Lohns. Im Lohnsteuerrecht dagegen gilt das Zuflussprinzip. Die Lohnsteuer kann nicht für Löhne einbehalten werden, die nicht tatsächlich bezahlt worden sind.

Bei nicht gezahlten, aber rechtlich geschuldeten Vergütungen ergeben sich also automatisch Nachforderungen der Sozialkassen für Sozialversicherungsbeiträge.

 

Mindestlohn und Mini-Job

Seit dem 01.01.2019 beträgt der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn 9,19 EUR pro Stunde. Und seit der Einführung des Mindestlohnes müssen nach dem Entstehungsprinzip Sozialversicherungsbeiträge stets nach dieser Grundlage bemessen werden.

So kann es – auf Basis des geschuldeten Lohns – leicht zu einer Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze bei Mini-Jobs kommen. Sofern die zu leistende Arbeitsstundenzahl mit Anhebung des Mindestlohnes nicht entsprechend nach unten korrigiert wurde.

Beispielsweise bekommt ein Mini-Jobber für seine Arbeitsleistung von 50 Stunden im Monat bislang einen Stundenlohn von 9,00 EUR, sprich 9 x 50 = 450 EUR. Da jedoch seit dem 01.01.2019 von einem Mindestlohn von 9,19 EUR pro Stunde ausgegangen wird, ist der geschuldete Lohn nicht 450 EUR sondern 459,50 EUR.

Der Kassenprüfer rechnet also 9,19 x 50 = 459,50 EUR und folgert sinngemäß eine Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze um 9,50 EUR. Was zu Nachzahlungen bei den Sozialkassen führt.

Fiktivlohn bei Tariflöhnen und Lohnfortzahlungen

Gilt bei einer Beschäftigung Tariflohn, verhält es sich genauso. Wurde dem Arbeitnehmer weniger ausbezahlt, obwohl ein Tarifvertrag greift, wird automatisch für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge der Tariflohn als Basis angenommen.

Bei Mini-Jobs gilt im Urlaubs- und Krankheitsfall ebenfalls die Lohnfortzahlung. Daher werden auch hier nicht oder zu wenig bezahlte Lohnfortzahlungen in die Bemessungsgrundlage für Sozialversicherungsabgaben mit einbezogen. Die korrekte Bemessung von Urlaubsfortzahlungen stellt in diesem Kontext ein besonders sensibles Thema dar – und wird häufig nicht oder nicht korrekt berücksichtigt.

Ebenfalls sind etwaige Lohnzuschläge für Nachtschichten und für geleistete Arbeit an Feiertagen und Sonntagen für die Berechnung des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes zu berücksichtigen. Wird dies vergessen, führt dies ebenfalls zu geringerer Lohnfortzahlung und damit zu einem Fiktivlohn, der Nachzahlungen bei Sozialversicherungsbeiträgen zur Folge hat.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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