Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sind Güter, bei denen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten einen bestimmten, gesetzlich festgelegten Betrag nicht übersteigen. Sie können im Jahr der Anschaffung oder Herstellung voll abgeschrieben oder direkt in den Aufwand gebucht werden. Es ist also keine lineare Abschreibung über mehrere Jahre notwendig.

Laut Einkommensteuergesetz EStG § 6, (2) und EStG § 4, (3) gilt dies für abnutzbare und bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind. Wie etwa Stühle, Computer oder Lampen.

Ein Drucker dagegen gilt nicht als GWG – denn er ist nicht selbstständig nutzbar. Für den Betrieb eines Druckers muss ein weiteres Wirtschaftsgut wie beispielsweise einen Computer eingesetzt werden.

Die gesetzlichen Obergrenzen für GWG wurden im Laufe der Jahre immer wieder vom Gesetzgeber geändert.

 

Obergrenzen für Geringwertige Wirtschaftsgüter

Im Jahr 1964 wurde die Obergrenze auf 800.- DM festgelegt. Diese Obergrenze galt bis Ende 2001. Von 2002 bis Ende 2007 galten 410.- EUR als Höchstbetrag.

2008 dann wurde die Grenze auf 150.- EUR gesenkt. Seit 2010 gilt jedoch wieder die vorherige Höchstgrenze von 410.- EUR. Durch das „Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen“ gilt nun ab 01.01.2018 die neue Obergrenze von 800.- EUR, gemäß EStG § 52, (12).

Der gesetzliche Höchstbetrag eines geringwertigen Wirtschaftsgutes ist ohne Mehrwertsteuer zu betrachten. Das gilt auch dann, wenn ein Unternehmen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Also z.B. bei einem Kleinunternehmer nach § 19 UStG.

Außerdem ist zu beachten: Der Höchstbetrag beinhaltet alle Anschaffungskosten. Gemäß HGB § 255, (1) also auch Anschaffungsnebenkosten wie Transport. Anschaffungspreisminderungen und ein in Anspruch genommener Investitionsabzugsbetrag müssen dagegen abgezogen werden.

 

Aufzeichnungspflicht GWG

Für Geringwertige Wirtschaftsgüter über 250.- EUR besteht eine Aufzeichnungspflicht. Diese Untergrenze wurde auch im Zuge der neuen Obergrenze ab 01.01.2018 angehoben. Bis 31.12.2017 lag sie bei 150.- EUR.

Bei geringwertigen Wirtschaftsgütern mit Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bis 250.- EUR fällt die Dokumentationspflicht weg, die für GWG ab 250,01 EUR besteht. Bei Gütern bis 250.- EUR muss also kein Anlagenverzeichnis geführt werden. Das Wirtschaftsgut wird direkt als Betriebsausgabe abgesetzt.

 

Sammelposten Geringwertige Wirtschaftsgüter

Eine weitere Besonderheit ist die Wahlmöglichkeit – sofern die Bedingungen für ein geringwertiges Wirtschaftsgut erfüllt sind – die angeschafften Wirtschaftsgüter ab 250.- EUR bis zur Obergrenze von 1.000.- EUR über 5 Jahre linear abzuschreiben.

Dafür werden die geringwertigen Wirtschaftsgüter in einem Sammelposten zusammengefasst. Hierbei spielt der Anschaffungszeitpunkt im Wirtschaftsjahr im Gegensatz zu den sonstigen Abschreibungen im Anlagevermögen keine Rolle. Er beeinflusst die Berechnung der Abschreibungssumme nicht. Der Sammelposten wird jedes Jahr mit jeweils 1/5 der Summe gewinnmindernd aufgelöst.

Scheidet ein Wirtschaftsgut aus dem Unternehmen aus, wird der Sammelposten nicht wertberichtigt. Das bedeutet auch, dass für jedes Wirtschaftsjahr ein Sammelposten angelegt werden muss.

Die Entscheidung zur linearen Abschreibung von Wirtschaftsgütern über einen Sammelposten schließt die Möglichkeit der Sofortabschreibung eins GWG bis 800.- EUR im laufenden Wirtschaftsjahr aus. Allerdings können auch weiterhin Wirtschaftsgüter, die die Voraussetzungen dafür erfüllen, bis 250.- EUR sofort als Betriebsausgabe geltend gemacht werden.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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