Wer ein KFZ nutzt, das vom Arbeitgeber oder Unternehmen bereitgestellt wird, muss die Nutzung als geldwerten Vorteil versteuern. Entweder nach der 1%-Regel oder mit Fahrtenbuch.

Wird ein Fahrzeug von einem Betrieb angeschafft und nicht geleast und dann verkauft, kann ein Gewinn entstehen. Der Veräußerungsgewinn. Dieser Gewinn muss ebenfalls versteuert werden.

Ist nun der Veräußerungsgewinn mit der Versteuerung der privaten Nutzung verrechenbar? Kann bei Veräußerung der Gewinn um die bereits versteuerte Nutzung des KFZ gemindert werden?

Das hatte der Bundesfinanzhof zu entscheiden.

 

Besteuerung private Nutzung und Veräußerungsgewinn

Ganz allgemein gilt: Wird ein Wirtschaftsgut aus dem Betriebsvermögen veräußert – auch ein KFZ, das teilweise privat genutzt wird –, entsteht durch die Differenz zwischen Restbuchwert zum Zeitpunkt des Verkaufes und dem Verkaufserlös der Gewinn.

Der Restbuchwert entsteht über die Zeit durch Abschreibungen, die auf das Wirtschaftsgut gemacht werden. KFZ werden normalweise mit 6 Jahren abgeschrieben (laut AfA-Tabelle). Die Abschreibung entsteht durch Abnutzung. Daher heißt es auch korrekt gesagt nicht Abschreibung sondern Absetzung für Abnutzung (AfA).

Der Kläger argumentierte daher: Da die Absetzung für Abnutzung durch eine Privatentnahme und der dadurch folgenden Besteuerung der Nutzungsentnahme erfolgte und da die Höhe der AfA durch die private Nutzung gesenkt wurde, neutralisiere sich aus wirtschaftlicher Betrachtung heraus die AfA, bzw. müsse daher eine Korrektur bei der Berechnung des Gewinnes erfolgen.

 

Freiberufler Besteuerung private Nutzung

Konkret nutzte der Kläger eine PKW in freiberuflicher Tätigkeit. Das Fahrzeug wurde 2008 angeschafft und zu 25% beruflich, zu 75% privat genutzt. Bei der Einkommensteuerveranlagung wurde daher ab 2008 die AfA (Abschreibung) sowie die Aufwendungen für den PKW als steuermindernd erfasst. Wegen der privaten Nutzung wurden andererseits auch Betriebseinnahmen von 75% der Aufwendungen für den PKW erfasst.

Daraus ergibt sich: Der steuermindernde Effekt der AfA wird durch die Betriebseinnahme der privaten Nutzung teilweise neutralisiert. Die Einnahme vermindert die Höhe der Aufwendung im Ergebnis. In dem Fall um 75%.

Daher setzte der Kläger, als er das KFZ 2013 nach vollständiger Abschreibung verkaufte, nur 25% des Verkaufserlöses an. Der in dem Fall wegen eines Restbuchwertes von Null zu 100% Gewinn ist.

 

Besteuerung private Nutzung und Bezug zu Veräußerungsgewinn laut BFH

Laut Urteil vom BHF (16.06.2020, VIII R 9/18) ist der gesamte Gewinn  zu versteuern. Trotz vorangegangener Besteuerung und Minderung des Aufwandes. Da die Besteuerung der privaten Nutzung und die Veräußerung aus dem Betriebsvermögen zwei unterschiedliche Vorgänge sind, die nur getrennt betrachtet werden können.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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