Ist es rechtens, wenn der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer kündigt, weil dieser wegen einer behördlich angeordneten Quarantäne nicht zur Arbeit erscheint?

Das Arbeitsgericht Köln hat dazu in einem Fall entschieden.

 

Kündigung Corona Quarantäne

Im verhandelten Fall hatte ein Dachdeckerbetrieb einem Arbeitnehmer nach Nichterscheinen gekündigt. Der Arbeitnehmer wurde auf telefonische Anordnung des örtlichen Gesundheitsamtes im Oktober 2020 im Rahmen von Corona in häusliche Quarantäne verwiesen. Dies teilte er dem Arbeitgeber mit.

Doch der Arbeitgeber bezweifelte die Anordnung und forderte vom Arbeitgeber eine schriftliche Bestätigung des Gesundheitsamtes. Die der Arbeitnehmer dann auch telefonisch einforderte. Außerdem forderte der Arbeitgeber den Mitarbeiter – da er ihm nicht glaubte – auf, bei der Arbeit zu erscheinen.

 

Fehlende schriftliche Anordnung

Die schriftliche Anordnung des Gesundheitsamtes zur Corona-Quarantäne ging in der Folge jedoch nicht zügig ein. Der Arbeitgeber kündigte daraufhin das Arbeitsverhältnis nach einigen Tagen.

Das Arbeitsgericht entschied nun (Aktenzeichen 8 Ca 7334/20): Die Kündigung ist unwirksam. Zwar fand wegen der Größe des Unternehmens das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung. Daher musste der Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund darlegen. Das Gericht beurteilte die Entscheidung jedoch als sitten- und treuwidrig. Denn der Arbeitnehmer hatte sich ja lediglich an eine behördliche Anordnung gehalten.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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