Die Reisezeit, die ein Arbeitnehmer hat, wenn er von seinem Arbeitgeber vorübergehend ins Ausland entsendet wird, sind laut einem neuen Urteil vom Bundesarbeitsgericht BAG als Arbeitszeit zu vergüten. Dabei ist die gesamte erforderliche Zeitdauer von Hin- und Rückreise zu berücksichtigen.

 

Reisezeiten ins Ausland

Im verhandelten Fall klagte eine Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber, der ihn für ca. zwei Monate ins Ausland nach China entsendet hatte. Der Arbeitnehmer war als technischer Mitarbeiter eines Bauunternehmens vertraglich verpflichtet, auf wechselnden Baustellen im In- und Ausland tätig zu sein.

Der Arbeitgeber buchte für den Mitarbeiter – auf Wunsch des Arbeitgebers, nicht auf Wunsch des Arbeitnehmers hin – für die Hin- und Rückreise einen Business-Class-Flug mit Zwischenstop in Dubai. Anstelle eines Direktfluges mit der Economy-Class. Daraus entstanden vier Reisetage für den Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber vergütete die Zeit mit jeweils 8 Stunden pro Tag.

 

Komplette Reisezeit zu vergüten

Daraufhin klagte der Mitarbeiter auf eine Vergütung von weiteren 37 Stunden. Da dies der gesamten Reisezeit entsprochen hätte. Von seiner Wohnstätte bis zur auswärtigen Arbeitsstelle und wieder zurück.

Das Bundesarbeitsgericht entschied nun, dass grundsätzlich bei einer vorübergehenden Entsendung eines Arbeitnehmers ins Ausland die Reise zur und von der dortigen Arbeitsstätte ausschließlich im Interesse des Arbeitgebers erfolgen. Und daher wie Arbeitszeit zu vergüten sind.

Allerdings sei als Reisezeit grundsätzlich die Zeit anzunehmen, die bei einem Flug in der Economy-Class anfällt.

Daher wurde bezogen auf vorliegenden Fall keine abschließende Entscheidung gefällt. Mangels ausreichender Feststellung zum Umfang der tatsächlichen erforderlichen Reisezeit im vorliegenden Fall.

Doch grundlegend ist das Urteil von Bedeutung: Reisezeit ist Arbeitszeit. Gemäß der erforderlichen Reisezeit, die aufgrund der Entsendung des Arbeitgebers anfällt. Bei einem Flug in Economy-Class.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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