Einem Mitarbeiter oder Kunden etwas zukommen zu lassen, ist unter steuerrechtlichem Gesichtspunkt gar nicht so einfach. Die Finanzverwaltung unterscheidet genau, was eine Aufmerksamkeit und was ein Geschenk ist. Um was für eine Sachzuwendung es sich also handelt.

Schenkt ein Unternehmer einem Kunden z.B. einen Korb mit Wein und Käse zur silbernen Hochzeit – ist das steuerlich gesehen ein Geschenk oder eine Aufmerksamkeit?

 

Sachzuwendung

Nach den Lohnsteuer-Richtlinien sowie dem BMF-Schreiben vom 19.05.2015 (IV C 6, S 2297-b/14/10001) wird unter einer Aufmerksamkeit eine Sachzuwendung verstanden, die ein „Empfänger aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses“ erhält.

Da in unserem Fall der Empfänger aufgrund der Silbernen Hochzeit den Korb erhält, handelt es sich hier um eine Aufmerksamkeit.

Steuerlich folgt daraus, dass der Schenker den Geschenkkorb in voller Höhe als Betriebsausgabe geltend machen kann – aber nur, sofern die Freigrenze von 60.- EUR (inkl. Umsatzsteuer) nicht überschritten wird.

 

Geschenke

Gibt es bei einer Zuwendung dagegen kein besonderes persönliches Ereignis, ist diese Sachzuwendung im Regelfall ein Geschenk. Hier gilt im Gegensatz zur Aufmerksamkeit eine Freigrenze von 35.- EUR netto, die pro Person und Jahr gilt. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, kann ein Betriebsausgabenabzug nicht vorgenommen werden.

Eine Ausnahme bildet hierbei, wenn das Geschenk betrieblich veranlasst ist und der Empfänger die Zuwendung als Betriebsvermögen behandelt. Wenn also beispielsweise eine Brauerei einem Gastwirt Gläser mit dem Aufdruck der Brauerei schenkt und der Gastwirt diese Gläser für die Bewirtung seiner Gäste verwendet.

Der Empfänger muss das Geschenk jedoch als Betriebseinnahme verbuchen. Die Versteuerung entfällt nur, wenn der Schenker die Pauschalsteuer nach § 37b EStG abführt.

 

Betriebliche Verwendung des Geschenkes

Wird das Geschenk beim Empfänger im Betrieb verwendet, kann es als Wirtschaftsgut abgeschrieben werden. Geringwertige Wirtschaftsgüter können dabei sofort komplett abgeschrieben werden. Durch die Abschreibung würde sich der genannte Ansatz als Betriebseinnahme neutralisieren – wenn der Schenker keine Pauschalsteuer für das Geschenk bezahlt.

 

Aufmerksamkeit vs. Geschenk

Zusammenfassend gilt: Aufmerksamkeiten können bis zu 60.- EUR brutto als Betriebsausgabe geltend gemacht werden und brauchen vom Empfänger nicht versteuert werden. Auch nicht als Pauschalsteuer nach EStG § 37b. Dafür muss aber ein besonderer persönlicher Anlass für das Geschenk vorliegen.

Geschenke hingegen können nur bis 35.- EUR netto angesetzt werden und sind beim Beschenkten eine Einnahme. Sie sind für den Beschenkten nur dann steuerfrei, wenn der Schenker die Zuwendung pauschal nach EStG § 37b versteuert. Versteuert der Schenker nicht pauschal, muss das Geschenk beim Empfänger als Betriebseinnahme versteuert werden, sofern es betrieblich genutzt wird. Dafür kann es im Gegenzug abgeschrieben werden.

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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