Bei einem beruflich bedingten Umzug übernimmt oftmals der Arbeitgeber die Umzugskosten für den Mitarbeiter. Dem Arbeitgeber entstehen also Aufwendungen, die er betrieblich geltend macht. Das Finanzamt verweist allerdings bei solchen Aufwendungen auf einen sogenannten “tauschähnlichen Umsatz” und lässt den Vorsteuerabzug bei den Aufwendungen nicht zu.

Argumentiert wird: Der Arbeitgeber gewährt dem Mitarbeiter eine Sachzuwendung ohne dafür ein gesondertes Entgelt zu berechnen, wobei die Gegenleistung hier (Kostenübernahme) auf eine bereits vereinbarte oder übliche Gegenleistung abzielt (die Tätigkeit des Arbeitnehmers). So entstehe der “tauschähnliche Umsatz”.

Es soll also ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Nutzungsüberlassung/Kostenübernahme und Arbeitsleistung gegeben sein.

 

Umzugskosten Mitarbeiter Gegenleistung?

Dieser Zusammenhang besteht laut einem Urteil des hessischen FG nicht – sofern das unternehmerische Interesse im Vordergrund steht. Im Streitfall (Hessisches FG, 22.2.2018, 6 K 2033/15) verlagerte ein Arbeitgeber einen bestimmten Funktionsbereich vom Hauptsitz des Unternehmens an einen anderen Standort. Die Mitarbeiter mussten im Zuge dessen umziehen. Der Arbeitgeber hatte die Kosten für Umzug und Makler übernommen.

Das FG argumentierte: Die vom Arbeitgeber übernommenen Umzugskosten stehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang zur Arbeitsleistung; die Umzugs- und auch Maklerkosten sind in diesem Fall der zu erbringenden Arbeitsleistung vorgelagert. Also sei kein “tauschähnlicher Umsatz” vorhanden.

Das FG ließ damit den Vorsteuerabzug zu.

Die Finanzverwaltung beharrt jedoch auf ihrem Standpunkt. Es ist ein Revisionsverfahren vor dem BFH anhängig (Az. V R 18/18).

 

Autor: Ralf Eisenmenger, Dipl.-Betriebswirt (FH), Steuerberater

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