Ist man nebenberuflich als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher o.Ä. im Auftrag von gemeinnützigen mildtätigen oder kirchlichen Einrichtungen tätig, sind Einkommen bis zu einer Höhe von insgesamt 2.400,00 Euro im Jahr nach EStG §3, Nr. 26 einkommensteuerfrei.

Nun war es bislang gängige Praxis, dass die Finanzverwaltung sich regelmäßig weigerte, dem nebenberuflich Beschäftigten die angefallenen Aufwendungen als Werbungskosten anzuerkennen. Obwohl sie in Verbindung mit seiner Tätigkeit entstanden waren. Meist dann, wenn die Aufwendungen höher waren als die Entlohnung. Und daher ein Verlust entstand.

 

Verlust ist anzuerkennen

Im Fall eines Übungsleiters wurde bei einem tatsächlichen Einkommen von 108,00 Euro Ausgaben in Höhe von 608,60 Euro geltend gemacht. Der Übungsleiter machte die Differenz in seiner Einkommensteuererklärung als Verlust aus selbstständiger Tätigkeit geltend. Was vom Finanzamt nicht anerkannt wurde.

Im Revisionsverfahren wurde der Fall vom Bundesfinanzhof (BFH) an das vorinstanzliche Finanzgericht zurückverwiesen. Der BFH entsprach der Argumentation der Vorinstanz (Urteil vom 20.11.2018, VIII R 17/16). Der Übungsleiter kann die das Einkommen übersteigenden Aufwendungen steuerlich geltend machen. Allerdings unter der Bedingung, dass der Steuerpflichtige eine Gewinnerzielungsabsicht nachweist.

Es ist also rechtens, dass entstandene Kosten, die das eigentliche Einkommen übersteigen, abgezogen werden. Vorausgesetzt natürlich, sie stehen in unmittelbarem wirtschaftlichem Zusammenhang mit den steuerfreien Einnahmen. Jede abweichende Interpretation der Gesetzeslage würde zu „dem nicht gerechtfertigten Ergebnis führen, dass ein Steuervorteil in einen Steuernachteil umschlägt“, so der BFH.

 

Autor: Stefanie Schilling, Steuerberaterin

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